Freiwilliges Engagement ist ein wirksames Instrument, um Inklusion nachhaltig zu stärken. Als Zentrum für Zivilgesellschaft sehen wir es als unsere Aufgabe, Organisationen dabei zu unterstützen, passende Strukturen zu schaffen – damit Menschen in ihrer Vielfalt sichtbar und wirksam werden können.
Helles, professionelles Foto einer Frau mit roten Haaren, die Brille trägt und in einem Blazer posiert.
Petra Pongratz
Geschäftsführung Verein füruns - Zentrum für Zivilgesellschaft
In Österreich leben rund 1,4 Millionen Menschen mit Behinderungen. Das ist etwa jede sechste Person. Trotzdem sind sie im Freiwilligenbereich selten vertreten. Das möchten wir ändern. Denn wenn mehr verschiedene Menschen mitmachen können, wird unsere Gesellschaft stärker.
Eine lächelnde Frau mit kurzen Haaren und blauen Augen trägt einen blauen Blazer und Ohrringe. Sie schaut direkt in die Kamera.
Brigitta Lajko
Projektleitung Freiwillig in OÖ
Teilhabe an einer Gemeinschaft, wie zum Beispiel im Vereinswesen, kann sowohl Menschen mit als auch ohne Behinderung neue Perspektiven aufzeigen. Menschen die Möglichkeit zu geben, Aufgaben zu übernehmen, die ihren Fähigkeiten entsprechen und dabei Akzeptanz zu erfahren, bedeutet gelebte Inklusion und fördert Verständnis und Akzeptanz unterschiedlicher Lebensweisen.
Manuela Holl
Fachstelle Ehrenamt, Assista Soziale Dienste GmbH
Wir alle haben das Bedürfnis, uns in unserer Freizeit mit Peers zu umgeben – das sollte auch in diesem Rahmen zur Selbstverständlichkeit werden!
Sportunion InCluenz - Team
Freiwilliges Engagement lebt davon, dass alle Menschen – unabhängig von Fähigkeiten, Herkunft oder Einschränkungen – die Möglichkeit haben, sich einzubringen und ihre Stärken einzusetzen. Indem wir als Volkshilfe Barrieren abbauen und Gleichberechtigung fördern, schaffen wir nicht nur Chancengerechtigkeit, sondern stärken auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Weil alle dazugehören und gemeinsam etwas bewirken können.
Rosa Rumetshofer-Karlinger
Freiwilligenkoordination Volkshilfe Oberösterreich
Inklusion im freiwilligen Engagement ist uns wichtig, weil alle Menschen die Chance haben sollen, mitzumachen und voneinander zu lernen. Als WeltWegWeiser arbeiten wir aktiv daran, internationale Freiwilligeneinsätze für alle zugänglich zu machen.
Melanie Pichler
Referentin für Freiwilligeneinsätze, WeltWegWeiser – Servicestelle für internationale Freiwilligeneinsätze

Inklusion im freiwilligen Engagement

Immer mehr Organisationen berichten uns, dass es zunehmend schwieriger wird, neue Freiwillige zu gewinnen. Gleichzeitig erleben wir in der Beratung, dass viele engagierte Menschen gern freiwillig mitarbeiten würden, jedoch kein passendes Angebot finden. Besonders herausfordernd ist das für Menschen, die im Alltag auf Hürden stoßen – etwa aufgrund einer Behinderung, einer anderen Sprache, psychischer oder gesundheitlicher Belastungen, begrenzter finanzieller Mittel oder schwieriger Lebensumstände.

Viele Organisationen setzen sich mit großem Engagement dafür ein, inklusiver zu werden. Das bedeutet: Sie möchten Angebote schaffen, bei denen alle Menschen mitmachen können. Doch dieser Weg ist nicht immer leicht. Es fehlt oft an Zeit, klaren Rahmenbedingungen oder an Sicherheit im Umgang mit Vielfalt.

Genau hier setzt unser Projekt an.

Im Rahmen der Veranstaltung am 8. Oktober 2025 im Volkshaus Pichling wurden Menschen zusammengebracht, die selbst Barrieren erfahren, und Organisationen, die Freiwillige suchen, um gemeinsam Wege zu entwickeln, wie freiwilliges Engagement für alle zugänglicher werden kann. In moderierten Gesprächsrunden – sogenannten Fokusgruppen – diskutierten Menschen mit körperlichen, kognitiven oder sinnesbezogenen Behinderungen, ihre Begleitpersonen sowie Vertreterinnen und Vertreter von Freiwilligenorganisationen bestehende Hindernisse und mögliche Unterstützungen. So entstanden konkrete Ansätze, um mehr Teilhabe und barrierefreie Beteiligung im freiwilligen Engagement zu ermöglichen.

Was bisher geschah

Am 8. Oktober 2025 fand im Volkshaus Pichling eine Veranstaltung statt, bei der wir herausfinden wollten, was Menschen mit Behinderungen – körperlich, kognitiv oder sinnesbezogen – benötigen, um sich freiwillig zu engagieren.

Im Mittelpunkt standen moderierte Gesprächsrunden, sogenannte Fokusgruppen, mit Menschen mit Behinderungen und Vertretenden von Freiwilligenorganisationen. Gemeinsam haben wir besprochen, welche Hindernisse es gibt und was helfen kann, diese zu überwinden. So wurden neue Wege für mehr Teilhabe im freiwilligen Engagement entwickelt.

Eingeladen waren Menschen mit körperlichen, kognitiven oder Sinnesbehinderungen, ihre Begleitpersonen sowie Organisationen, die Freiwillige begleiten.

So geht’s weiter!

Die Ergebnisse der Fokusgruppen wurden in einem kurzen Ergebnispapier zusammengefasst. Es steht allen Organisationen zur Verfügung, die ihre Strukturen inklusiver gestalten möchten. Das Zentrum für Zivilgesellschaft steht ihnen dabei gerne beratend zur Seite.

Das Ergebnispapier wird hier demnächst hochgeladen. Besuche die Seite immer wieder oder melde dich für unseren Newsletter an, um informiert zu bleiben.

Anbei findest du eine erweiterte Version des Ergebnispapiers. Hier wird laufend erweitert und mit Beispielen sowie weiteren Inhalten ergänzt.

Hier gehts zum Nachbericht

Strukturen und Haltung in Organisationen weiterentwickeln

Was soll anders werden?

Inklusion soll zu einem selbstverständlichen Bestandteil des freiwilligen Engagements werden – nicht nur als Idee, sondern sichtbar im Alltag, spürbar in der Zusammenarbeit und fest in den Strukturen verankert. Organisationen sollen Rahmenbedingungen schaffen, die Vielfalt ermöglichen, Barrieren abbauen und allen Menschen eine gleichwertige Teilhabe am Engagement bieten.

Wie gelingt das?

  • Verbindliches Commitment
    Inklusion beginnt bei einer klaren Haltung der Organisation. Leitbilder, Strategien und interne Richtlinien sollen Vielfalt und Teilhabe ausdrücklich betonen. Führungskräfte übernehmen eine Vorbildfunktion, indem sie inklusive Werte aktiv leben, kommunizieren und im Alltag sichtbar machen.
  • Ressourcen und Zuständigkeiten
    Inklusion braucht Zeit und verlässliche Ressourcen. Dazu gehören fixe Zuständigkeiten, klare Abläufe sowie Kapazitäten für Begleitung, Reflexion, Austausch und Weiterbildung.
  • Sensibilisierung und Qualifizierung
    Regelmäßige Trainings unterstützen Hauptamtliche, Freiwilligenkoordinator:innen und Teams dabei,
    • Berührungsängste abzubauen,
    • eine offene, wertschätzende Haltung zu entwickeln,
    • und zu verstehen, dass Inklusion ein Prozess des gegenseitigen Lernens ist.
      Solche Angebote stärken Sicherheit, Kompetenz und Mut, Inklusionsprozesse aktiv mitzugestalten.
  • Assistenzsysteme berücksichtigen
    Ziel ist es, Freiwillige mit unterschiedlichen Bedürfnissen verlässlich und flexibel zu begleiten und Assistenzbedarfe mitzudenken, angemessen zu berücksichtigen und in ihre Abläufe nachhaltig zu integrieren.
  • Barrierefreiheit prüfen und verbessern
    Organisationen sollten systematisch analysieren, welche Hürden Menschen am Engagement hindern. Das betrifft
      • räumliche Barrierefreiheit,
      • digitale Zugänge und Informationsmaterialien,
      • sowie eine leicht verständliche und inklusive Kommunikation.
        Verbesserungsmaßnahmen können schrittweise geplant und umgesetzt werden.
  • Interne Kultur stärken
    Eine inklusive Organisation lebt von Atmosphäre und Miteinander. Humor, Offenheit, Feingefühl und wertschätzender Umgang schaffen Sicherheit und Vertrauen. Geschützte Räume für Austausch – etwa Reflexionsrunden oder Teamgespräche – fördern Verständnis und Solidarität im Team.

Zugang und Information verbessern

Was soll anders werden?

Informationen über freiwilliges Engagement sollen für alle Menschen leicht zugänglich, verständlich und motivierend sein. Sie sollen Lust auf Engagement machen, Orientierung bieten und Barrieren abbauen – unabhängig von Sprache, Vorwissen oder individuellen Bedürfnissen.

Wie gelingt das?

  • Leichte und klare Sprache
    Informationsmaterialien – sowohl gedruckt als auch digital – sollten verständlich, übersichtlich und zielgruppenorientiert aufbereitet sein. Das umfasst klare Formulierungen, kurze Sätze, visuelle Unterstützung und gegebenenfalls Versionen in Leichter Sprache.
  • Zentrale digitale Anlaufstellen schaffen
    Engagementangebote sollen über gut auffindbare Plattformen und Apps kommuniziert werden, z. B. über die Website des Zentrums für Zivilgesellschaft oder über Apps wie die mima-App. Eine einfache Navigation und klare Struktur erleichtern den Zugang zu passenden Angeboten.
  • Inklusive Öffentlichkeitsarbeit gestalten
    • Positive Beispiele und Erfolgsgeschichten von Freiwilligen sichtbar machen
    • Menschen mit Behinderungen als Vorbilder und Multiplikator:innen stärken
    • Unterschiedliche Engagementformate vorstellen, auch flexible oder einmalige Möglichkeiten. Dadurch entsteht ein breites, einladendes Bild von freiwilligem Engagement – offen für alle.
  • Netzwerke nutzen
    Gemeinden, Ärzt:innen, Sozialdienste, Schulen oder Freiwilligenzentren können wichtige Multiplikator:innen sein. Durch Kooperationen wird Engagement sichtbarer und mehr Menschen erfahren von passenden Möglichkeiten.
  • Sensibilisierung und Grundwissen vermitteln
    Basisinformationen zu freiwilligem Engagement – Was bedeutet Engagement? Welche Möglichkeiten gibt es? Welche Unterstützung steht zur Verfügung? – sollen breit und verständlich kommuniziert werden. Dies schafft Orientierung und nimmt Unsicherheiten.

Einstieg und Begleitung neu denken

Was soll anders werden?

er Einstieg ins freiwillige Engagement soll individuell gestaltet sein und sich an den Fähigkeiten, Interessen und Bedürfnissen der Freiwilligen orientieren. Menschen sollen in ihrem Tempo ankommen können – gut begleitet, schrittweise herangeführt und mit klaren Strukturen, die Sicherheit geben.

Wie gelingt das?

  • Schritt-für-Schritt-Begleitung
    Eine Einführung in kleinen, überschaubaren Etappen erleichtert das Ankommen. Dazu gehören Praxisbegleitung, regelmäßige Reflexionsgespräche und Raum für Fragen. Zeit ist ein zentraler Faktor: Freiwillige sollen die Möglichkeit haben, Vertrauen aufzubauen und in ihrer Rolle zu wachsen.
  • Schnuppertage und Testphasen ermöglichen
    Unverbindliche Einstiegsangebote helfen Menschen, herauszufinden, ob eine Tätigkeit zu ihnen passt. Diese niederschwelligen Möglichkeiten stärken Motivation und Selbstvertrauen und senken die Hemmschwelle für den Einstieg.
  • Tandem- oder Mentoringmodelle nutzen
    Erfahrene Freiwillige, „Buddys“ oder Mentor:innen können eine wichtige Orientierungshilfe bieten. Sie begleiten neue Freiwillige, unterstützen beim Einfinden und tragen zu einer inklusiven Gemeinschaftskultur bei.
  • Klare Rollen und Aufgaben definieren
    Transparente Aufgabenbeschreibungen sowie klare Zuständigkeiten schaffen Sicherheit. Offene Kommunikation über Erwartungen und Möglichkeiten hilft, Überforderungen zu vermeiden und ein gutes Miteinander zu fördern.
  • Flexible Engagementformate anbieten
    Unterschiedliche Lebenssituationen brauchen unterschiedliche Wege ins Engagement: kurzzeitige Projekte, punktuelle Einsätze, projektbezogene Mitarbeit oder flexible Stundenmodelle ermöglichen Teilhabe für mehr Menschen.
  • Eine Kultur der Ermutigung leben
    Freiwillige sollen sich willkommen, wertgeschätzt und gebraucht fühlen. Anerkennung, positive Rückmeldungen und ein freundliches Miteinander stärken das Vertrauen und fördern langfristiges Engagement.

Begegnung und Gemeinschaft fördern

Was soll anders werden?

Inklusion entsteht dort, wo Menschen einander begegnen, miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam aktiv werden. Nur durch echten Austausch kann Vertrauen wachsen und Gemeinschaft entstehen.

Wie gelingt das?

  • Begegnungsräume schaffen
    Orte und Formate wie Stammtische, Netzwerktreffen oder moderierte Austauschforen bieten Raum für offene Gespräche und gegenseitiges Kennenlernen.
  • Gemeinsame Projekte fördern
    Kooperationen mit Schulen, Vereinen oder Gemeinden – etwa Sprachcafés, Nachbarschaftsinitiativen oder kreative Projekte – ermöglichen gemeinsames Tun und bauen Berührungsängste ab.
  • Inklusive Veranstaltungen gestalten
    Freiwilligenmessen, Feste und Workshops sollten so geplant werden, dass Menschen mit Behinderungen sichtbar beteiligt sind und aktiv mitgestalten können.
  • Früh ansetzen
    Bewusstseinsbildung in Schulen, Jugendzentren und Bildungseinrichtungen schafft langfristig Verständnis und Offenheit.
  • Gemeinsame Haltung entwickeln
    Regelmäßiger Austausch zwischen Organisationen, Freiwilligen und Interessensvertretungen unterstützt dabei, ein gemeinsames Verständnis von Werten, Sprache und Zugängen zu entwickeln.
Eine lächelnde Frau mit kurzen Haaren und blauen Augen trägt einen blauen Blazer und Ohrringe. Sie schaut direkt in die Kamera.
Brigitta Lajko
Deine Ansprechperson für den Schwerpunkt Inklusion im freiwilligen Engagement

Wer sind wir?

Unser Projekt trägt den Titel „Engagement für alle – Inklusion im freiwilligen Engagement“. Es ist ein Schwerpunktprojekt des Zentrums für Zivilgesellschaft – Verein füruns. Unser Ziel ist es, freiwilliges Engagement für alle Menschen zu öffnen – unabhängig von Behinderung, Herkunft, Bildungsweg oder Lebensrealität.

Das Zentrum für Zivilgesellschaft ist seit über 15 Jahren in Oberösterreich aktiv. Als unabhängige Servicestelle für freiwilliges Engagement im Sozialbereich beraten wir Freiwillige, begleiten Organisationen und setzen Projekte um, die gesellschaftliche Entwicklungen aufgreifen und mitgestalten.

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