Nach rassistischem Vorfall an der JKU: ÖH JKU präsentiert gemeinsames Maßnahmenpaket und zieht positive Bilanz aus Podiumsdiskussion
(Linz, 24.04.2026). Am 11. Dezember 2025 kam es beim Weihnachts-Mensafest der ÖH JKU Linz zu einem rassistischen Eklat. Vor rund 800 Gästen skandierten mehrere Besucher zum Partyhit „L’Amour Toujours” von Gigi D’Agostino ausländerfeindliche Parolen, darunter „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus”. Die Hochschüler_innenschaft der JKU (ÖH JKU) als Veranstalterin reagierte umgehend: Der Vorsitzende Markus Frandl ließ die Musik sofort stoppen. Die ÖH JKU wandte sich öffentlich gegen den Vorfall, forderte Studierende zur Übermittlung von Beweismaterial auf und kooperierte vollumfänglich mit der Polizei. Der Staatsschutz nahm Ermittlungen auf. Der Vorfall sorgte österreichweit für Aufsehen und löste eine breite gesellschaftliche Debatte aus.
Aufarbeitung und Podiumsdiskussion
Als direkte Reaktion auf den Vorfall organisierten die ÖH JKU gestern am 23.04 um 17 Uhr gemeinsam mit dem Zentrum für Zivilgesellschaft - Verein füruns eine öffentliche Podiumsdiskussion an der Johannes Kepler Universität Linz. Ziel der Veranstaltung war es, den Vorfall einzuordnen, strukturelle Ursachen zu beleuchten und konkrete Handlungsmöglichkeiten für Studierende aufzuzeigen.
Den inhaltlichen Auftakt bildete ein Impulsvortrag von Nedžad Moćević, M.A., Experte für Extremismusprävention und Zivilgesellschaft. Er beleuchtete die gesellschaftliche Funktion von Rassismus, Dynamiken der Radikalisierung sowie Handlungsspielräume im universitären Alltag und verband dabei wissenschaftliche Perspektiven mit praktischen Erfahrungen aus der Präventionsarbeit.
Im Anschluss diskutierten ÖH JKU Vorsitzender Markus Frandl, 2. stv. ÖH JKU Vorsitzende Melanie Müller, Nedžad Moćević, M.A., sowie Ajlin Darwish von der Muslimischen Hochschüler_innenschaft (MÖH) über die Geschehnisse, deren Folgen und die Konsequenzen, die die ÖH JKU daraus gezogen hat.
Konkrete Maßnahmen der ÖH JKU
Im Mittelpunkt der Diskussion standen die strukturellen Schritte, welche die ÖH JKU als Reaktion auf den Vorfall eingeleitet hat. Dazu zählen insbesondere die Schaffung einer niederschwelligen Beratungsstelle für Studierende, die den Arbeitskreis für Gleichbehandlung (AKG) ergänzen soll, die von Diskriminierung betroffen sind, der Beitritt zu mehreren Netzwerken gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Weiteres bezog die ÖH JKU klar und konsequente Haltung gegenüber dem Rektorat, von dem auch ausdrücklich die Einleitung weiterer Konsequenzen eingefordert wurde, welches in einem kürzlichen Termin mehreren konkreten Forderungen der ÖH JKU zusagte.
Stimmen der Podiumsteilnehmer_innen:
„Der Vorfall beim Mensafest ist ein Armutszeugnis. Gleichzeitig zeigt er aber auch einen positiven Effekt: Endlich wird wieder verstärkt über solche Themen gesprochen. Rechtsextremismus macht längst auch vor Hochschulen keinen Halt. Dass es sich dabei um keinen Einzelfall handelt, zeigen die zahlreichen weiteren Vorfälle, die in den letzten Wochen an der JKU bekannt wurden. Die ÖH JKU wird sich konsequent auf die Seite jener stellen, die strukturell ausgeschlossen werden“, betonte ÖH JKU Vorsitzender Markus Frandl.
„Eine Universität ist kein rechtsfreier Raum. Wir haben als ÖH JKU die Pflicht, alle Studierenden zu vertreten und das bedeutet, dass wir bei Rassismus und Ausgrenzung niemals schweigen dürfen. Die Beratungsstelle ist ein erster wichtiger Schritt, aber es braucht strukturelle Veränderungen, die über unsere Amtszeit hinauswirken”, so 2. stv ÖH JKU Vorsitzende Melanie Müller.
“Im Rahmen des Vortrags wurde deutlich, dass Rassismus kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem ist. Oft zeigt er sich in einem ‚Wir gegen die Anderen‘-Denken, das Zugehörigkeit und Ausgrenzung prägt. Um dem entgegenzuwirken, braucht es sowohl Bewusstsein im Alltag als auch gezielte strukturelle und politische Maßnahmen.“, ergänzt Ajlin Darwish, MÖH
“Rassismus ist kein Randphänomen, sondern ein Angriff auf unsere demokratische Grundordnung. Als Zentrum für Zivilgesellschaft ist es unsere Aufgabe, Menschen zu ermutigen, hinzuschauen, sich einzumischen und Verantwortung zu übernehmen. Demokratie lebt davon, dass wir sie gemeinsam aktiv verteidigen.“ Andrea Mayrwöger, Stv. Geschäftsführerin Verein füruns – Zentrum für Zivilgesellschaft.
Großes Interesse und starkes Signal
Die Veranstaltung stieß auf außerordentlich großes Interesse und war sehr gut besucht ungefähr 70 Personen besuchten die Veranstaltung. Die rege Beteiligung des Publikums unterstrich den Bedarf an offener Auseinandersetzung und gemeinsamer Aufarbeitung. Die Veranstalter_innen werteten die Podiumsdiskussion als vollen Erfolg: Sie trug nicht nur zur Sensibilisierung bei, sondern lieferte auch konkrete Impulse für den Umgang mit diskriminierenden Situationen im Hochschulalltag. Studierende wurden ausdrücklich dazu ermutigt, bei diskriminierendem Verhalten hinzusehen und aktiv einzuschreiten.
Die ÖH JKU und der Verein füruns kündigten weitere Veranstaltungsformate an, um die Auseinandersetzung mit den Themen Rassismus, Extremismus und demokratische Teilhabe an der JKU nachhaltig zu verankern. Auch mit der MÖH sollen in Zukunft mehrere gemeinsame Veranstaltungen geplant werden.
Verein füruns – Zentrum für Zivilgesellschaft
Das Zentrum für Zivilgesellschaft ist eine österreichweite Plattform für zivilgesellschaftliches Engagement und unterstützt all jene, die mit ihren Ideen, Initiativen und Projekten dazu beitragen, dass unser (Zusammen-)Leben besser wird. Durch innovative Lösungsansätze und Projekte entstehen neue Partizipations- und Vernetzungsmöglichkeiten und tragen somit zur Nachhaltigkeit von zivilgesellschaftlichem Engagement bei. Der Verein wird unterstützt durch das Sozialressort des Landes Oberösterreich, das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz und die Österreichische Gesellschaft für politische Bildung.
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