Virtuelle Reisen: Freiwillige begleiten künftig Menschen im Hospiz
Pilotprojekt in OÖ: Freiwillige begleiten Menschen mit Behinderung auf virtuelle Reise
Ein Ausflug zum Meer oder eine Wanderung in den Alpen: Beim Projekt „Virtuelle Reisen“ ermöglichen geschulte Freiwillige Menschen in Betreuungseinrichtungen mittels VR-Brillen digitale Ausflüge in unterschiedliche Orte dieser Welt. Nach dem erfolgreichen Abschluss der ersten Projektperiode, welche sich auf das Engagement für Menschen mit Behinderung fokussierte, wird das Konzept nun gezielt auf die Anforderungen der Hospizarbeit angepasst und 2026 gemeinsam mit dem VR-Pionier Vitablick und dem Roten Kreuz Oberösterreich umgesetzt.
OÖ (07.07.2026). Wo sonst der Alltag in Betreuungseinrichtungen dominiert, eröffnen Virtual-Reality-Brillen (VR-Brille) seit April 2025 neue Erlebnisräume. Dabei besuchen speziell geschulte freiwillige Helfer:innen die Bewohner:innen vor Ort und begleiten sie mit einer VR-Brille auf eine Reise an Orte, die für die Betroffenen physisch nicht erreichbar sind.
Die Bilanz des Projekts an den Standorten Bad Ischl (Lebenshilfe OÖ, Bezirk Gmunden), Micheldorf (Fokus Mensch, Bezirk Kirchdorf), Ohlsdorf (Feichtlgut, Bezirk Gmunden) und Altenhof (Assista, Bezirk Grieskirchen) ist eindeutig: Rund 90 Prozent der 64 Teilnehmer:innen fühlten sich während der virtuellen Ausflüge ausgesprochen wohl. Besonders Naturwelten weckten Erinnerungen, die zwei Drittel der Reisenden längst vergessen glaubten. „Unsere Erfahrungen aus der ersten Projektperiode zeigen, dass VR hier einen echten Mehrwert schafft und Teilhabe ermöglicht, wo physische Grenzen erreicht sind“, sagt Andrea Mayrwöger, Stv. Geschäftsführerin des Zentrums für Zivilgesellschaft – Verein füruns.
Transfer in die Hospizbegleitung
Die wertvollen Erkenntnisse aus dem Engagement mit Menschen mit Behinderung bilden das Fundament für den nächsten Schritt. Unter dem Titel „Virtuelle Lichtblicke – Menschlichkeit trifft Innovation“ wird das Konzept für die Hospizarbeit adaptiert. Gemeinsam mit dem Roten Kreuz Oberösterreich wird die Technik sowohl im mobilen Hospizdienst als auch in stationären Einrichtungen wie dem Sankt Barbara Hospiz und den Standorten Linz, Ried im Innkreis, Vöcklabruck eingesetzt. Ziel ist es, Menschen in ihrer letzten Lebensphase durch das Aufleben schöner Erinnerungen zusätzliche Lebensqualität zu schenken.
„Digitalisierung und menschliche Nähe sind kein Widerspruch“, betont Mayrwöger. „Wir nutzen digitale Innovationen gezielt dort, wo sie Sinn stiften und eine unmittelbare Wirkung für die Betroffenen zeigen.“
Startschuss in Ried, Linz und Vöcklabruck
Die Umsetzung ist bereits angelaufen. Am Standort Ried haben die Schulungen der ersten 35 freiwilligen Hospizmitarbeiter:innen begonnen; an den Standorten Linz und Vöcklabruck starten die Schulungen aktuell.
„Als Rotes Kreuz sehen wir unsere Aufgabe darin, Menschlichkeit greifbar zu machen – sei es durch das Wunschmobil, das letzte Herzenswünsche wie den Besuch im Fußballstadion oder einen letzten Ausflug an den See noch einmal real erfüllt“, sagt Christian Dobler-Strehle, Bezirksgeschäftsleiter des Roten Kreuzes Ried im Innkreis. „Innovative Ansätze wie jener von VitaBlick und dem Zentrum für Zivilgesellschaft – Verein füruns ermöglichen diese Reisen nun auch im mobilen und stationären Hospiz virtuell, wo physische Grenzen erreicht sind. Beide Ansätze schenken Menschen in schwierigen Lebenssituationen ein Stück Lebensqualität.“
Eine Ausweitung des Modells auf Wien und Niederösterreich ist bereits in Planung.
Ehrenamt als Brücke zwischen den Welten
Herzstück des Projekts bleiben die Menschen: Die VR-Reisen werden auch in der neuen Projektphase von freiwilligen Helfer:innen begleitet, die vorab intensiv auf die sensible Begleitung in der Hospizarbeit vorbereitet wurden. Sie klären über den sicheren Umgang mit den Brillen auf, nehmen Unsicherheiten und stehen nach der „Rückkehr“ als Gesprächspartner:innen für die erzählten Erlebnisse bereit. So wird die Technik zum Werkzeug für soziale Interaktion und neue Impulse in der täglichen Betreuung.
Zentrum für Zivilgesellschaft – Verein füruns
Das Zentrum für Zivilgesellschaft – Verein füruns ist eine österreichweite Plattform für zivilgesellschaftliches Engagement. Es wird unterstützt durch das Sozialressort des Landes OÖ, das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz sowie die Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung. www.fuer-uns.at
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